Die Dunkle Pracht

SONDERAUSSTELLUNG

Die Dunkle Pracht -

Kunstglas der 1950er Jahre aus dem Thüringer Wald



Zierteller mit Emailmalerei, Hyalithglas, 1950er Jahre
Zierteller, Glasveredelung Karl Großmann, Gehren, 1950er Jahre; Sammlung Dr. Thomas Müller, Telgte; Foto: Glasmuseum Frauenau

vom 4. November 2018 bis zum 3. März 2019

Die neue Sonderausstellung des GoetheStadtMuseums Ilmenau beleuchtet einen speziellen Zweig der Zierglasherstellung: Schwarzglasprodukte aus dem Thüringer Wald.

Von Böhmen ausgehend entwickelte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine Zierglasproduktion, die nicht mehr darauf abzielte, in erster Linie feines klares Glas herzustellen, sondern farbigen Gläsern den Vorzug gab. So entstand unter anderem das Schwarzglas. Genau genommen ist dieses Glas jedoch nicht schwarz, sondern dunkelviolett. Es wird mit Mangan so eingefärbt, dass eine nahezu blickdichte Oberfläche entsteht.




Balustervase mit Emailmalerei
Balustervase, Hohlglasveredelung Oskar Mandler, Ilmenau, 1950er Jahre; Sammlung Dr. Thomas Müller, Telgte; Foto: Glasmuseum Frauenau

Nach dem zweiten Weltkrieg wanderten viele Vertriebene aus dem Sudetenland nach Thüringen aus und brachten ihre Kenntnisse zur Farbglasherstellung und Veredlung mit in die neue Heimat. Zum Repertoire ihrer Produktpalette gehörten auch Schwarzglasobjekte. Sie wurden vor allem in den 1950er und 1960er Jahren in Wasungen, Meiningen, Arnstadt, Zella-Mehlis und Ilmenau hergestellt. 

Während die Rohlinge in größeren Glashütten - in Ilmenau beispielsweise in der Sophienhütte und der Fischerhütte entstanden -, fand die Veredlung der Gläser in den nun neu gegründeten Kleinbetrieben statt. Dazu gehörten das über drei Generationen in Haida (Sudetenland) ansässige Unternehmen Hohlglasveredlung Josef Fastner und Söhne, die Glasveredelung Franz Gullich oder die Hohlglasveredelungsfirma von Oskar Mandler in Ilmenau.

Spätestens in den 1970er Jahren wurden die meisten dieser Glasveredlungsfirmen in Volksiegene Betriebe oder Kombinate der DDR integriert. Die Dekore in Email-, Silber- und Goldmalerei entsprechen dem Geschmack der Zeit. Vielfach handelt es sich um geometrische, eher abstrakte Motive. In den 1970er Jahren kamen mehr und mehr florale Ornamente hinzu. Die Formen lehnten sich zum Großteil noch an die Vorbilder der 1920er Jahre und 30er Jahre an. Vor allem die geschwungene Balusterform setzte sich bis in die 1970er Jahre durch.




Die umfangreiche Sonderausstellung des GoetheStadtMuseums Ilmenau stellt Schwarzglasvasen von neun verschiedenen Herstellern vor. Durch die Präsentation der Privatsammlung von Dr. Thomas Müller aus Telgte kann ein besonderes Thema regionaler Glasgeschichte erstmals sichtbar gemacht werden. In der Exposition sind mehr als 125 Vasen mit 110 verschiedenen Mustern aus Schwarzglas zu bewundern.