Bild: Veilchen vor der Kreuzkirche

Personen zu Lebzeiten

Warum haben die auf dem Friedhof bestatteten Personen so prunkvolle Gräber? Was haben sie zu Lebzeiten für eine Bedeutung gehabt? Diese und andere Fragen werden nachfolgend beantwortet.

Die Liste wird entsprechend der Recherchen ergänzt.

 


Station 4:
Corona Schröter *14.01.1751 - † 23.08.1802


Corona Schröter war Sängerin und Schauspielerin zu Goethes Zeit. Als junges Mädchen wirkte sie bis 1776 als gefeierte Sängerin des „Leipziger Großen Conzerts". Goethe lernte sie in Ilmenau kennen und verehrte sie.
Danach wurde Corona Schröter unter Goethe`s Vermittlung Hof- und Kammersängerin am Fürstlichen Liebhabertheater, das von Goethe in Weimar, Ettersburg und Tiefurt ins Leben gerufen wurde. Sie spielte unter anderem die erste „Iphigenie" unter Goethes Regie, die vom Dichter für sie geschrieben war. Goethe selbst spielte den Orest. Die erste Aufführung war am 6. April 1779. Für Goethe`s „Fischerin" komponierte sie die Musik und spielte das „Dortchen".

Später lebte sie in Weimar still zurückgezogen den Künsten der Musik und Malerei angetan. Brustleidend suchte Corona Schröter Heilung in Ilmenau und verstarb hier am 23.08.1802. Prinzessin Karoline Louise von Weimar ließ das Grabmal auf dem Ilmenauer Friedhof errichten.

 



Station 10:
Bergrat Johann Carl Wilhelm Voigt   *20.02.1752- † 01.01.1821


Bergrat Voigt erreichte gemeinsam mit Goethe die Wiederaufnahme des Kupfer- und Silberbergbaues in Ilmenau.
Ab 1776 studierte Voigt im Auftrag des Herzogs Carl August von Sachsen-Weimar und Eisenach an der Bergakademie in Freiberg/Sachsen. Nach dem Studium widmete er sich überwiegend im Thüringer Raum für einige Jahre geologischen Forschungen, und verfasste die Schrift „Mineralogische Reise durch das Herzogtum Sachsen, Weimar und Eisenach". 1783 wurde Bergrat Voigt als Bergsekretär berufen und war vor allem für die technische Leitung des Bergbaus in Ilmenau zuständig. Johann Carl Wilhelm Voigt war zwischen 1800 und 1821 mit Unterbrechungen zehn Jahre Bürgermeister von Ilmenau.

Die Inschrift auf der Rückseite des Grabmales für Bergrat Voigt erinnert an seine bergmännische Tätigkeit:


„Glück auf Du freundliches Leben,
Glück auf zur ewigen Schicht,
Hast Du uns Liebe gegeben,
Vergisst Dich die Liebe nicht."

 



Station 11:
Gottlieb Michael Häcker  *28.09.1735 - †08.08.1821

Häcker wurde vermutlich in Ilmenau geboren und verstarb hier auch. Berginspektor Häcker erwarb sich Verdienste um den Bergbau der damaligen Zeit in Ilmenau, Manebach und Umgebung. Bekannt ist, dass am 02. und 04. August 1776 der Berginspektor Häcker dem jungen Goethe Unterweisungen im Silberproben gab. Silberproben sind der quantitative Nachweis von Silber in Erzen.

Das Grabmal wurde für den 1821 verstorbenen Gothaischen Berginspektor G. M. Häcker geschaffen. Das Grabmal besteht aus Sandstein. Die Inschriften sind verwittert und leider unbekannt. Das Oberteil des Grabmales trägt auf beiden Seiten Reliefs, die von hoher Bildhauerkunst zeugen. Bemerkenswert ist das Relief, das eine Probierstube mit einem kleinen Schmelzofen, den typischen Werkzeugen und einem Bergbeamten bei der Arbeit zeigt. Eine derartige Darstellung eines montanen Arbeitsprozesses auf einem Grabmal ist in Deutschland wahrscheinlich einzigartig. Das Grabmal wurde früher von einer Urne mit Bahrtuch gekrönt. Diese ist leider nicht mehr vorhanden.
Das Grabmal wurde im Jahr 2002 durch konservatorische Maßnahmen gesichert.

 



Station 14:
Carl Christoph Oettelt  *28.01.1727 Schleiz - † 12.07.1802 Ilmenau


Er hatte Verbindungen zum weimarischen Hof, insbesondere zu Johann Wolfgang von Goethe. Er zählt zu den forstlichen Klassikern Thüringens, als Wegbereiter der Forstmathematik, einer neuen Forsteinrichtung und der nachhaltigen Waldbewirtschaftung

Oettelt war einer der ersten, der einen wesentlichen Beitrag zur Einführung mathematischer Grundlagen sowohl im Rahmen der forstlichen Literatur als auch im Forstbetrieb leistete. 1752 und 1754 erhielt Oettelt von dieser Kammer Vermessungsaufträge. Der Herzog verlieh ihm 1755 den Titel "Forst-Geometra". Daran ist interessant, daß schon damals mathematische Kenntnisse offenbar für auszeichnungswürdig erachtet wurden. 1762 wurde Oettelt "Forst-Commissarius" in Heyda. Ab 1763 wurde Oettelt in einer Beamtenliste als "Forst- und Jagdbedienter zu Heyda" geführt und dürfte erst ab diesem Zeitpunkt an in ein staatliches Dienstverhältnis und in weimarische Dienste getreten sein. Seine Hauptaufgabe bestand weiterhin in der Vermessung der Reviere Ilmenau, Heyda, Unterpörlitz und Stützerbach (Forstdepartement Ilmenau). 1768 wurde er nach Ilmenau versetzt und zum Oberförster, 1776 zum Wildmeister und schließlich zum Forstmeister und Leiter des Ilmenauer Reviers ernannt.

Oettelt hat durch sein Schaffen der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstehenden, geregelten Forstwirtschaft wesentliche Impulse gegeben. Für ihn steht nicht die Jagd, sondern der Wald im Mittelpunkt der forstlichen Tätigkeit. Seine Hauptbedeutung liegt darin, dass er im Gegensatz zu vielen Berufskollegen die Notwendigkeit und Bedeutung mathematischer Grundlagen für die umfangreichen Vermessungs- und Einrichtungsarbeiten, Taxierungen, Einteilung der Wälder in Wirtschaftseinheiten, Schläge, Gehaue usw. erkannte. Basierend auf diesen Erkenntnissen veröffentlichte er sein Buch über die Bedeutung der Mathematik für das Forstwesen .

 



Station 20:
Johann Christian Schnepp * 12.05.1741 - † 03.08.1800

Das Grabmal wurde durch eine testamentarische Verfügung des verstorbenen Johann Christian Schnepp für seine Frau und seinen Sohn errichtet. Schnepp hatte in seinem Testament die hauseigene Grabstätte verfügt, weil ihm der Grundwasserstand des Friedhofes zu hoch war. Außerdem fürchtete er den Scheintod und wollte im Sarg mit Zugklingel mit dem Wohnhaus verbunden werden.

 

Alle drei Seiten des Grabmales waren beschriftet. Die Inschriften teilten mit:

„Dass hier Gattin und Sohn des fürstlichen sächsischen weimarischen Hofchirurgen und wohlemeritierten Bürgermeisters von Ilmenau ruhen. Und dass der Stifter dieses Denkmals geboren wurde den 12. May 1741 und den 3. August 1800 entschlafen ist, nachdem er auf dieser Welt 59 Jahr, 2 Mon. und 22 Tage gewandelt und in seinem Garten hinter seinem Hause Nr. 226 begraben liegt."

Das erwähnte Haus befindet sich in der heutigen Burggasse. Auf einer Seitenfläche des dreieckigen Sockels stand: „Welken muss die schönste Blume, wenn auch sie der Jüngling brach. Alles welkt auf dieser Erde, bis zum großen Erntetag."