Bild: Technikum im Winter

Geschichte der Glasherstellung in Ilmenau

In Thüringen waren bereits über dreißig Glashüttengründungen erfolgt, bis in Ilmenau 1675 die erste Hütte entstand. Großherzog Johann Ernst zu Sachsen-Weimar erteilte den Auftrag, die Leitung übernahm der Glasmacher Elias Wenzel. In ihr sollten „schön christallen, auch ander Glas" hergestellt werden. Der Holzreichtum im Thüringer Wald sowie geeignete Sandvorkommen boten der Glasherstellung gute Voraussetzungen.

 

 



Thermometersäule

Thermometersäule

Am Ende der Friedrich-Hofmann-Straße Richtung Wetzlarer Platz finden wir die Ilmenauer Thermometersäule. Sie steht als Wahrzeichen für die in und um Ilmenau angesiedelte Glasindustrie. Quarzsande für die Schmelze und Holz als Heizmaterial und zur Aschegewinnung waren vorhanden. 1648 gründete der Glasmeister Hans Holland die erste Glashütte in Stützerbach. Es war eine Nebenhütte der Gehlberger Hütte, welche Hans Holland und David Schmidt zuvor gegründet hatten. 1675 wurde im Auftrag von Herzog Johann Ernst zu Sachsen-Weimar die erste Ilmenauer Glashütte gegründet, doch nach dem Tod des Glasmachers Elis Wenzel im Jahre 1679 wieder geschlossen. Auch der zweiten Ilmenauer Glashütte (1731) im Auftrag Herzogs Ernst August war kein Erfolg beschieden. Es gab Schwierigkeiten, Glas von hoher Qualität zu produzieren. J.W. Goethe bezog die Glasinstrumente für seine Studien aus Paris.

Carl Wilhelm Ferdinand Friedrichs gründete 1836 die dritte Ilmenauer Glashütte. Seine unternehmerischen Fähigkeiten verhalfen endlich zur Kontinuität und zu industrieller Produktionsweise. Allerdings kaufte Friedrichs Hüttenanteile in Stützerbach, verlegte die Produktion dorthin und schloss die Ilmenauer Hütte. 1852 nahm eine vierte Glashütte -die Sophienhütte- in Ilmenau den Betrieb auf, trotz Protest seitens Friedrichs. Anfangs wurden Parfümflakons und Medizinflaschen hergestellt, später unter wechselnden Besitzern Isoliergefäße und Isolierflaschen. Nach 1945 erfolgte die Ausrichtung auf Industrieglas. 1972 erhielt die Hütte den Namen "Rosalinglaswerk" und 1983 "Ilmkristall". Die inzwischen älteste und noch produzierende Hütte überlebte die "Wende" nicht, sie ging 1991 in Konkurs.  

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Liquid-Chronometer

Liquid-Chronometer

Als Symbol für die lange Tradition der Ilmenauer Glasindustrie wurde diese interessante Zeitanzeige durch den Verein Ilmenauer Glastradition e.V. unter Mitwirkung zahlreicher Firmen, Einrichtungen und Privatpersonen angefertigt und der Stadt Ilmenau übergeben.

3 Glasrohre mit den Durchmessern 150, 90 und 22 mm und einer Länge von 2.500 mm werden zeitabhängig von unten mit einer frostsicheren Flüssigkeit gefüllt. An einer zwischen den Rohren für Stunden und Minuten angeordneten Skala kann entsprechend dem Flüssigkeitsstand die Zeit abgelesen werden.
Der Flüssigkeitsstand im Minutenrohr verändert sich kontinuierlich mit zwischenzeitlichen Korrekturen. Nach Ablauf einer Stunde wird die Flüssigkeit auf den Skalenbeginn abgelassen.
Der Flüssigkeitsspiegel im Stundenrohr wird nach jeweils einer Stunde um einen weiteren Skalenteil gehoben. Nach 24 Stunden wird die Flüssigkeit ebenfalls auf den Skalenbeginn abgelassen.
Am Sekundenrohr kann man nicht die einzelnen Sekunden, sondern nur den Ablauf von 60 Sekunden - der Moment des Abfalls des Flüssigkeitsspiegels - ablesen.
Das Liquid-Chronometer wird von einer Funkuhr gesteuert, so dass eine exakte Zeitanzeige einschließlich der Umstellung auf mitteleuropäische Sommerzeit bzw. mitteleuropäische Zeit gewährleistet ist.

 


Sophienglashütte
Sophienglashütte
Sophienglashütte Arbeiter
Sophienglashütte Arbeiter
Sophienglashütte 1870
Sophienglashütte 1870

Gründungsjahr/Ende Betrieb  Standort
1675/1679 1. Ilmenauer Glashütte, Herrschaftliche Hütte Sachsen-Weimar, Herzog Johann Ernst zu Sachsen-Weimar erteilte Auftrag  Sophienstraße
1731/1748 2. Ilmenauer Glashütte, Herrschaftliche Hütte Sachsen-Weimar, Herzog Ernst August von Sachsen-Weimar erteilte Auftrag  Hammergrund
1836/1860 3. Ilmenauer Glashütte, Carl Wilhelm Ferdinand Friedrichs Ilmbrücke-Oehrenstöcker Straße
 1852/1991 4. Ilmenauer Glashütte, Sophienglashütte, Johann Georg Abich/Gebrüder Küchlert Tannebücke
1891 Großherzoglichen-Sächsischen Prüfanstalt für Thermometer ab 1915  am Wallgraben (heutige Amtsgericht)
1894 Fachschule für Glasinstrumente und Feinmechanik Am Wallgraben (heutige Amtsgericht)
1894
Thüringer Technikum Weimarer Straße
1900/1968 5. Ilmenauer Glashütte, Otto Lange  Grenzhammer
1904/1950 6. Ilmenauer Glashütte, Spessartglashütte, Möller, Jungwirth, Griebel Schlachthofstraße
1910/1976 7. Ilmenauer Glashütte, Gustav Fischer  Langewiesener Straße
1922/1976 8. Ilmenauer Glashütte, Alt, Eberhardt und Jäger Karl-Liebknecht-Straße
1976/1993 9. Ilmenauer Glashütte, Werk für Technisches Glas VEB Am Vogelherd
1996 10. Ilmenauer Glashütte, Technische Glaswerke Ilmenau GmbH, Karl Albrecht Geiß Am Vogelherd

Quellen: Glas in Ilmenau, Förder- und Freundeskreis Ilmenauer Glasmuseum e.V. Ilmenau-Beiträge zur Geschichte einer Stadt, Stadtverwaltung Ilmenau