Bild: Jagdanlage

Historische Jagdanlage



Historische Jagdanlage

Seit 2004 wird die Jagdanlage auf dem Kickelhahn bei Ilmenau von den Ilmenauer Bodendenkmalpflegern in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie ausgegraben. Im Jahre 2007 wurden die bis dahin freigelegten Grundmauern witterungsbeständig gesichert.


Die erste urkundliche Erwähnung eines „Schießplatzes" auf dem Kickelhahn stammt aus dem Jahr 1591. Eine intensivere Nutzung in den dreißiger Jahren des 18. Jh. erfolgte durch den Weimarer Herzog Ernst August (1688-1748), der für seine Jagd- und Baulust bekannt ist. Das Gebiet um Ilmenau war ein bevorzugtes Jagdrevier des Weimarer Hofes. Da der Herzog gleichzeitig auch das alte Jagdhaus Gabelbach nutzte, müssen die Anlagen Kickelhahn und Gabelbach wohl in Verbindung gesehen werden. Nach dem Tod des Herzogs wurde die Jagdanlage vermutlich nicht mehr genutzt und verfiel.
Die nun teilweise wieder freigelegte Anlage am Goethewanderweg bestand aus einem Pirschhaus mit Keller, von dem aus drei in die Erde gegrabene Pirschgänge von 70 bis 90 m Länge abgingen. Sie sind als Gräben auch heute noch deutlich sichtbar und endeten in ausgemauerten Jagdschirmen. Hier wartete der Herzog mit seinem Gefolge, um das durch Fütterungen und Salz angelockte Wild zu erlegen.

Die Ilmenauer Anlage auf dem Kickelhahn ist nur klein im Vergleich zu dem wohl eindrucksvollsten Bau dieser Art in Thüringen, dem sogenannten Rieseneck bei Hummelshain (Saale-Holzland-Kreis). Aber auch sie bietet durch ihre Lage und die umgebende Freifläche eine sehr gute Möglichkeit, sich mit etwas Phantasie in die Zeit vor fast dreihundert Jahren zurück zu versetzen und den Ablauf einer prächtigen Hofjagd vorzustellen. Nur zwei weitere, aber lediglich als Bodendenkmale bekannte Jagdanlagen mit Pirschgängen sind in Thüringen bekannt, der Jagdstern südlich von Ettersburg bei Weimar und Pirschgänge am ehemaligen Schloss „Hirschruf" bei Blankenhain, Landkreis Weimarer Land. (Dr. Ralf Irmer 2010)




Jagdanlage mit Jagdschirm

Nachbau eines Jagdschirms

Ein Jagdschirm war ein in Holzbauweise überdachter Anstand, der für den herrschaftlichen Jäger vom Wild unbemerkt, durch einen als Graben gestalteten Pirschgang erreichbar war. Diese Gräben waren teilweise mit Holz ausgekleidet und abgedeckt. Um den Jagdschirm befanden sich Äsungsflächen mit Fütterungen und Salzlecken, zu denen das Wild angelockt wurde. Aus geringer Distanz konnten die Jäger das Wild beobachten und entsprechend der Reichweite ihrer Waffen waidgerecht erlegen.
Die Ausgrabungen in den Jahren 2008/2009 ergaben einen achteckigen Grundriss des Jagdschirmes. Holzabdrücke des Schwellbalkens im Mörtel weisen auf einen möglichen Fachwerkbau aus dem 18. Jahrhundert hin. Weitere Informationen zum Jagdrevier Kickelhahn finden Sie im Museum Jagdhaus Gabelbach.