Bild: Krokusse im März 2014

„Frauen kämpfen um ihr Recht - in der DDR geschieden, durch den Einigungsvertrag diskriminiert"

So lautet der Titel einer Ausstellung, welche vom 3. bis zum 28. April 2017 im Foyer der Sparkasse Arnstadt-Ilmenau, Hauptgeschäftsstelle, An der Sparkasse 1-3 in Ilmenau zu sehen sein wird.

Zur Eröffnung der Ausstellung am 4. April 2017 um 18:30 Uhr wird der Vorstandsvorsitzende Herr Marco Jacob die Gäste aus Gesellschaft, Politik, Verbänden, künstlerisch Interessierte und alle interessierten Bürgerinnen und Bürger begrüßen, bevor Frau Heike Debertshäuser die Ausstellung mit einer kurzen Einführung in das Thema eröffnen wird.

Die Ausstellung wird auf Initiative der Aktionsgruppe Ilmenau der in der DDR geschiedenen Frauen, insbesondere deren Sprecherin, Frau Heike Debertshäuser in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Ilmenau, Frau Katrin Hoh, von Frau Marion Böker, Beraterin für Menschenrechte und Genderfragen, entliehen und in Ilmenau zu sehen sein.

Auf 21 Tafeln der Ausstellung sind Betroffene mit je einem Portraitfoto mit einem biografischen Interviewauszug dargestellt. Dabei werden ihre schwerwiegende Geschlechterdiskriminierung in der Rente und deren Folgen gezeigt. Die Portraits der Ausstellung zeigen interessante und starke Frauen, die schonungslos von ihrem Leben und den Schwierigkeiten, die sie im Zusammenhang mit der erlebten Diskriminierung erfahren haben, berichten.

Eine weitere Tafel beinhaltet allgemeine Informationen.

Die Rente einer Frau nach DDR-Recht war höher als nach West-Rentenrecht.
In Westdeutschland gab es seit 1977 den so genannten „Versorgungsausgleich".
Diesen Ausgleich brauchten die geschiedenen Frauen in der DDR nicht, da der größte Teil der Frauen berufstätig war - unterbrochen lediglich durch die Leistungen für die Familie.
Diese besonderen Leistungen für Kindererziehungs- und Pflegezeiten fanden im DDR-Rentenrecht, insbesondere bei der Berechnung der Arbeitsjahre und damit auch bei der Rentenberechnung ihre Berücksichtigung!
Die geschiedenen Frauen der DDR brauchten KEINEN VERSORGUNGSAUSGLEICH !!!
Aber diese Nichtberücksichtigung der Rechte für das gesamte Arbeitsleben im Gegensatz zum Bestandsschutz der Rechte der geschiedenen Männer bedeutet Enteignung, Diskriminierung und für viele der geschiedenen Frauen Altersarmut!
Den betroffenen Frauen wurden wesentliche in 40 Jahren Erwerbsarbeit erworbene Rentenansprüche zunächst mit dem Einigungsvertrag und später mit dem Rentenüberleitungsgesetz (RÜG) aberkannt.

Seit 1990 kämpfen die Aktivistinnen des Vereins in 33 Städtegruppen um ihr Recht. Die Anzahl der Betroffenen ist seitdem von ursprünglich 800.000 auf nunmehr nur noch ca. 300.000 Betroffene geschrumpft. Es wird gezeigt, dass alle nationalen Möglichkeiten, wie z.B. ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes aus dem Jahr 2003, nicht zu einer befriedigenden Lösung führten. Trotzdem haben die Frauen nie ihren Mut und die Hoffnung auf Gerechtigkeit aufgegeben.

Das Ziel der Ausstellung besteht u.a. darin, zum wiederholten Male die Politik und große Teile der Gesellschaft auf dieses Unrecht aufmerksam zu machen. Die Bundesregierung wurde in der Vergangenheit mehrfach aufgefordert, eine politische Lösung zu finden, damit diese Diskriminierung beseitigt wird. Dies erweckt den Anschein, dass die Bundespolitik auf eine biologische Lösung hofft, was nichts anderes heißt, mit dem Älterwerden löst sich das Problem von allein. Im Alter fehlt dann bei den betroffenen Frauen die Kraft zum Weiterkämpfen oder der Tod regelt die Sache für die Politiker.

Erst am 21. Februar 2017 forderte der CEDAW (Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination Against Women) Frauenrechtsausschuss der Vereinten Nationen die Bundesregierung auf, das den in der DDR geschiedenen Frauen zugefügte Unrecht bei der Rentenüberleitung aufzuheben. Die Bundesregierung soll einen Ausgleichsfonds für die Betroffenen auflegen und den Frauen Wege der Entschädigung nach dem neuen Opferrechtsentschädigungsgesetz eröffnen.

 

Weitere Informationen: http://www.verein-ddr-geschiedener-frauen.de